
IN MEMORIAM
geb. 14. Mai 1922 –
gest. 10. Dezember 1999

Staatsgründer und kroatischer Staatspräsident 1990-1999
Franjo
Tudjman trat mit der Vision eines souveränen kroatischen Staates 1989 in
der Öffentlichkeit auf.
Im Umfeld der epochalen politischen Umbrüche in Osteuropa, gründete er eine
nationale und demokratische Freiheitsbewegung, die Kroatische Demokratische
Gemeinschaft (HDZ). Die HDZ, die später die Wandlung in eine politische Partei
vollzog, erfaßte alle sozialen Schichten nationalbewußter Kroaten, in Kroatien,
in Bosnien und Herzegowina und im Ausland.
Bei den Wahlen im Mai 1990, den ersten demokratischen in
Kroatien seit 1938, ging er als Sieger hervor. Fortan wandelte er die
jugoslawisch-kommunistischen Organisationsstrukturen in ein demokratisches und
liberales Rechtssystem um. Eine neue demokratische Verfassung wurde vom
kroatischen Sabor kurz vor Weihnachten 1990 verabschiedet.
Bei der Volksabstimmung im Mai 1991 entschied sich die
kroatische Bevölkerung zu 94 % für den Austritt aus dem jugoslawischen
Staatsverband und für die Umwandlung der Republik in einen selbständigen Staat.
Dem stellte sich das totalitäre jugoslawische Regime entgegen.
Angeführt von der serbischen Führung in Belgrad, wurde der Versuch unternommen
die serbische Minderheit gegen die kroatische Regierung aufzubringen. Ziel war
es einen Vorwand zur Ausrufung des Ausnahmenzustands zu schaffen und mittels
der jugoslawischen Armee den jungen kroatischen Staat zu Fall zu bringen. Kroatien
konnte zwar seine Unabhängigkeit wahren, doch mußte es Tudjman hinnehmen, daß
Teile des kroatischen Territoriums unter serbische Besatzung fielen.
Gleichzeitig versuchte Tudjman für Kroatien internationale
Annerkennung zu erlangen.
Am 15. Jänner 1992 wurde Kroatien, vorrangig auf Drängen Deutschlands und mit
der Unterstützung der Autorität des Heiligen Vaters, von den EU-Staaten
anerkannt. In seinem Bestreben nach Anerkennung wurde Kroatien von der
österreichischen Diplomatie und des ungarischen Nachbarn maßgeblich beholfen.
Franjo Tudjman wurde bei den Präsidentschaftswahlen 1992 (58 %)
und 1997 (61 %) zweimal vom Volk direkt wiedergewählt. Er war nicht nur
der Staatspräsident von Kroatien, sondern wurde auch von Auslandskroaten und den
Kroaten in Bosnien und Herzegowina als ihr Oberhaupt angesehen.
Mit einem glanzvollen militärischen Sieg 1995, gelang es
Tudjman die serbische Besatzung kroatischer Territorien zu beenden und
Friedensverhandlungen zu erwirken. Mit der Unterzeichnung des Abkommens von
Erdut wurde die friedliche Wiedereingliederung Ostkroatiens (1997) in
den Staatsverband ermöglicht. Für die Kroaten in Bosnien und Herzegowina konnte
Tudjman die Rolle eines Staatsvolks zuerkannt bekommen, und das Recht
der Republik Kroatien darüber zu wachen.
Tudjman verstarb am 10. Dezember 1999, nach einer schweren
Krankheit.
Drei Jahre nach seinem Tod sind wir Zeugen einer Entwicklung, in
der sich selbst ehemalige Gegner der Politik Tudjmans in einer würdigenden
Weise besinnen.
Franjo Tudjman ragt in der kroatischen Geschichte mit einer
besonderen Rolle auf: als Staatsgründer und Vater der Nation.
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© Zdeslav Milas I Mail